Die Familie: Ein Fundament der Entwicklung

Internationaler Tag der Familien, 15. Mai 2026

Jedes Jahr am 15. Mai begeht die UNO den Internationalen Tag der Familien als Erinnerung daran, dass die Familie eine „unverzichtbare Grundlage des Entwicklungsprozesses“ ist. Das diesjährige Thema „Familien, Ungleichheiten und das Wohlergehen von Kindern“ zeigt, wie stark Ungleichheiten das Familienleben bestimmen und die Zukunft von Kindern beeinflussen. Eine Botschaft, die uns in unserer Arbeit unmittelbar berührt.

Die Familien, mit denen wir arbeiten, könnten unterschiedlicher kaum sein: klassische Familien, Alleinerziehende, Großfamilien rund um Großeltern oder andere Bezugspersonen, neu zusammengewachsene Familien nach Flucht oder Verlust. Jede hat ihre eigene Geschichte, ihre eigenen inneren Dynamiken und Schwierigkeiten, die sich von denen der Nachbarsfamilie unterscheiden. Diese Vielfalt in all ihrer Komplexität wollen wir verstehen und begleiten.

Diese Familien kämpfen mit vielem gleichzeitig: Armut, eingeschränktem Zugang zu grundlegenden Versorgungsleistungen, Spannungen zwischen den Geschlechtern und Generationen sowie immer wiederkehrenden Klimakatastrophen. Was uns dabei oft am meisten auffällt, ist weniger der Mangel an Ressourcen als das Fehlen jeder Perspektive. Familien, die im täglichen Überlebenskampf erschöpft sind, verlieren nach und nach die Fähigkeit, sich überhaupt vorzustellen, dass es auch anders sein könnte, und damit den Willen zum Handeln. Einen Raum zu schaffen, in dem eine Familie einmal durchatmen, reden und gemeinsam laut von der Zukunft träumen kann: Das ist oft der erste und wichtigste Schritt.

Wir gehen von einem Grundsatz aus: Jede Familie trägt in sich den Willen und die Mittel, den eigenen Weg zu gehen. Unsere Aufgabe und die unserer lokalen Partner ist es, die Bedingungen zu schaffen, damit beides zum Tragen kommen kann. Diese Arbeit stützt sich auf lokale Organisationen und Vereine, deren ausgebildete Begleiter, Sozialarbeiter, Psychologen und andere Fachkräfte, einen Familiendialog aufbauen, in dem jedes Mitglied, ob Frau, Mann oder junger Mensch, zu Wort kommen kann. Ihre genaue Kenntnis der lokalen Verhältnisse, Sprachen und kulturellen Besonderheiten ist durch nichts zu ersetzen. Sie sind es, die diesen Ansatz Tag für Tag mit Leben füllen, unmittelbar nah an den Menschen.

Der Ansatz, den wir gemeinsam mit unserem burundischen Partner, dem Plan Intégré pour l’Autopromotion (PIA), entwickelt haben, beruht auf einer einfachen Überzeugung: Eine Familie dabei zu begleiten, ihre eigene Vorstellung von Zukunft zu entwickeln, bedeutet, ihr die Möglichkeit zurückzugeben, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die Ergebnisse, die mit mehreren Hundert Familien erzielt wurden, sprechen für sich: Einkommen, die deutlich gestiegen sind, manchmal auf das Drei- oder Vierfache; mehr Ernährungssicherheit; Kinder, die zur Schule gehen; renovierte Häuser; Spargruppen, die wieder aktiv sind und zu Ausgangspunkt gemeinsamer Initiativen werden. Und jede begleitete Familie zieht andere in ihrem Umfeld mit. Dass dieser Ansatz trägt, zeigt sich auch daran: Einige unserer lokalen Partner haben, nachdem sie diese Veränderungen vor Ort miterlebt haben, begonnen, ihn im eigenen Familienleben anzuwenden. Ein Beweis dafür, dass er über einzelne Projekte und Kontexte hinaus Sinn ergibt, überall dort, wo eine Familie, wie auch immer sie zusammengesetzt ist, gemeinsam etwas Dauerhaftes aufbauen möchte.

An diesem Tag, der den Familien gewidmet ist, bekräftigen wir unser Engagement, sie auf dem Weg zu ihren Zielen zu unterstützen.

 

Eine ruandische Familie mit ihrem Familienaktionsplan.